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Ansatz

Der Erhalt komplexer multimedialer Objekte (z.B. digitaler Kunstwerke und wissenschaftlicher Simulationen) war bislang mit sehr hohem Aufwand verbunden. Das liegt an den hohen Nutzungsanforderungen an die Authentizität der Wiedergabe, aber auch am komplexen, dynamischen Charakter der Objekte mit ihren ausführbaren Inhalten. Es ist zwar möglich, einzelne digitale Objekte durch Formatsmigration auf aktuellen Plattformen zugänglich zu machen; allerdings ist eine Migration für jedes Objekt individuell durchzuführen und erfordert breites technisches Hintergrundwissen. Dieser Ansatz ist daher bei der großen Menge von erhaltenswerten Objekten personell nicht leistbar und langfristig nicht sinnvoll.

Aus diesem Grund konzentrierte sich das Forschungsprojekt EMiL auf den Ansatz der Emulation, um einen Verlust der Authentizität und des "Look-and-Feel", also wichtiger Eigenschaften und Funktionalitäten eines digitalen Objekts, so gering wie möglich zu halten. Emulation bietet die Möglichkeit eines authentischen Zugriffs und garantiert so den Erhalt der Information in ihrem ursprünglichen Kontext.

Die praktische Beschäftigung mit Emulation zu Bewahrungs- und Zugriffszwecken ist eine neue Entwicklung, die erst in den letzten Jahren begonnen hat. Eine Reihe von Projekten (allen voran CAMiLEON 1999-2003, PLANETS 2006-2010 und KEEP 2009-2012) hat theoretische Konzepte entwickelt und erste praktische Ansätze realisieren können. PLANETS hat wesentliche Konzepte zur Charakterisierung digitaler Objekte sowie zu den Möglichkeiten und Arbeitsabläufen bei der Präsentation von digitalen Objekten beigetragen.

Ein entscheidender Baustein für die Wiedergabequalität beim Emulationsansatz ist der verwendete Emulator. Viele Emulatoren, insbesondere für selten gewordene Plattformen wie den Commodore Amiga oder ältere Apple-Macintosh-Modelle, werden von Enthusiasten dieser Plattformen weiterentwickelt. Freie Emulatoren wie QEMU, MAME, MESS oder UAE sind jedoch nicht für die spezifische Bereitstellungssituation entworfen, die eine wissenschaftliche Nutzung in Gedächtnisorganisationen (z.B. Bibliotheken und Museen) erfordert. Das KEEP-Projekt hat daher einen weiteren Grundstein zum Emulationsansatz beigesteuert, indem Laufzeitumgebungen, sogenannte Frameworks, zur Verwendung vieler verschiedener Emulatoren entwickelt wurden. Dabei standen vor allem die notwendigen technischen Metadaten im Mittelpunkt, um die Umgebung, die ein digitales Objekt für seine Ausführung erwartet, automatisch zu rekonstruieren.

Damit existieren zwei wichtige Komponenten für den Einsatz von Emulation in Gedächtnisorganisationen: eine technische Charakterisierung der einzelnen Objekte einerseits und eine flexible Lösung zur Konfiguration von verschiedenen Emulatoren andererseits. Die bisherigen, prototypischen Lösungen waren jedoch von einer praktischen Einsatzfähigkeit noch weit entfernt. So fehlten beispielsweise geeignete Software-Archive mit einer umfangreichen Ausstattung an verschiedenen Software-Komponenten, die für die Nutzung digitaler Objekte notwendig sind. Zudem waren die Bereitstellungsprozesse noch nicht hinreichend automatisiert, um z.B. einen umfangreichen multimedialen Bibliotheksbestand mit vertretbarem Aufwand zugänglich zu machen. Letzten Endes fehlt auch ein langfristiges Betriebskonzept, das den Erhalt und Weiterbetrieb der einzelnen Bestandteile eines solchen Emulationssystems sicherstellt.


Das Forschungsprojekt EMiL hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Lücken zu schließen und, unter Verwendung der existierenden Konzepte und Lösungen, eine in Gedächtnisorganisationen praktisch einsetzbare Systemlösung zu entwickeln (siehe Abbildung).

Das Projekt umfasste folgende Arbeitspakete:

AP1: Anforderungsanalyse
AP2: Analysen und Tests von Frameworks und Emulatoren
AP3: Entwicklung des Bereitstellungssystems
AP4: Produktivstellung und langfristiges Betriebskonzept

Das EMiL-Bereitstellungssystem zeichnet sich durch Nutzungsfreundlichkeit, einen hohen Automatisierungsgrad und weitreichende Konfigurationsmöglichkeiten aus. Für umfangreiche Sammlungen von Multimedia-Objekten bietet es eine automatische Charakterisierungskomponente, die Datenträgerinhalte technisch charakterisiert und geeignete Wiedergabeumgebungen identifiziert. Aufgrund seiner standardisierten Schnittstellen zu Recherche- und Langzeitarchivierungssystemen lässt sich EMiL flexibel in bestehende Bereitstellungsinfrastrukturen integrieren.